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Muhsin ibn Batul

Von Chadidscha zur Verbrüderung im Monat Ramadan

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Von Chadidscha zur Verbrüderung im Monat Ramadan

 

In enormer Geschwindigkeit schreiten die Tage des Monats Ramadan voran. Und ein Ereignis jagt das nächst. Noch vor wenigen Tagen war das Dahinscheiden von Chadidscha der Großen. Gestern war die Verbrüderung und schon übermorgen folgt eine gesegnete Geburt.

 

Jeder Tag des Monats Ramadan birgt neue Geheimnisse, die es zu lüften gilt, um daraus zu lernen und darin die Faszination der Wahrheit zu kosten. Während die körperlichen Bedürfnisse warten müssen, können die Bedürfnisse zur Erfüllung der Herzen umso mehr erfüllt werden. Und das größte Bedürfnis des Herzens ist der Einzug von Wahrheit. Die Erinnerung an das so traurige Ereignis des Dahinscheidens der großartigen Chadidscha, liefert viel Gelegenheit dazu.

 

Chadidscha (a.) spielte eine herausragende Rolle in der Frühgeschichte des Islam, als er gerade in der Gesellschaft am Wachsen war. Sie war zusammen mit Abu Talib einer der großen Förderer des Islam und der Muslime. Zu der Zeit, als die Muslime in größter Bedrängnis während des Boykotts durch die Bewohner Mekkas waren, der drei Jahre andauerte, hielt sie durch, aufgrund ihrer großen Opferbereitschaft. Ihre Durchhaltekraft, ihre Zähigkeit, Weisheit und unerschütterlicher Glaube an ALLAH und Seinen Gesandten waren wichtige Stützen des Islam während der ersten zehn Jahre. Manche muslimische Geschichtsschreiber haben ihr nicht die Würdigung gewährt, die sie verdient, um ihre eigene Rolle und die herausragende Rolle ihrer Tochter Fatimas (a.) auf Kosten anderer späterer Ehefrauen zu relativieren. Die wenigen Biographien, die es über sie gibt, sind aus verstreuten Quellen zusammengetragen worden, und selbst die sind nicht immer frei von Fehlinterpretationen.

 

Chadidscha (a.) war eine wohlhabende Kauffrau in Mekka und Tochter von Chuwailid, dem Verteidiger des schwarzen Steins und gehörte zu dem Stamm der Quraisch. Auch wenn Chuwailid es selbst nicht mehr miterlebte, so überreichte er seine geliebte Tochter wie auch die Verantwortung über den schwarzen Stein, der in der Zukunft des Islam noch eine wichtige Rolle spielen wird, an den Besten aller Menschen. Bereits vor dem Islam waren Chuwailid und ihre Tochter Sie waren Hanifen (vorislamische Monotheisten).

 

Chadidscha (a.) wurde im Jahre 565 n.Chr. geboren und ihr Vater Chuwailid starb um 585. Seine Kinder erbten seinen Reichtum und teilten ihn unter sich auf. Chadidscha besaß eine solche außergewöhnliche Intelligenz und Charakterstärke, dass sie die Gefahren des Reichtums überwand. Sie hatte viele Geschwister, aber sie allein hatte den Geschäftssinn ihres Vaters geerbt. Nach dem Tod ihres Vaters übernahm sie sein Geschäft und expandierte es schnell. Mit dem Gewinn, den sie daraus zog, half sie den Armen, den Witwen, Waisen, Kranken und Behinderten. Wenn es irgendwo arme Mädchen gab, dann sorgte Chadidscha (a.) dafür, dass sie verheiratet wurden, und schenkte ihnen eine Mitgift. Dadurch, dass sie eine weise Auswahl ihrer Handelsagenten traf, der ihre Waren zur rechten Zeit kaufte und verkaufte und ihre Karawane sicher geleiteten, wurde sie bald die reichste Geschäftsfrau in Mekka. Immer wenn eine Karawane der mekkanischen Handelsleute die Stadt verließ, war die Menge der Waren von Chadidscha so groß wie die der anderen Geschäftsleute der Quraisch zusammen. Deswegen verliehen ihr die Bürger Mekkas den Titel: "Prinzessin der Quraisch", oder "Prinzessin von Mekka".

 

Nur wenige Mekkaner gehörten vor der Verkündigung des Islam nicht dem Götzendienst an. Eine dieser wenigen war Chadidscha (a.). In diesem Zusammenhang gibt es einige widersprüchliche Angaben der Geschichtsschreiber. Manche behaupten, dass Chadidscha (a.) in ihrem Monotheismus von einem Verwandten namens Waraka ibn Naufal beeinflusst worden sein soll. Allerdings ist dessen Existenz zweifelhaft, wahrscheinlich hat es ihn nicht gegeben!

 

Chadidschas (a.) Charakter und ihr Verhalten waren derart vorbildlich, dass sogar ihre arabischen Landsleute, die bekannt waren für ihre Eitelkeit und ihren männlichen Chauvinismus, sie nicht nur "Prinzessin von Mekka" nannten, sondern auch "die Reine" [al-tahira], ein Titel, den auch ihre spätere Tochter Fatima (a.) innehatte. Chadidscha (a.) gehörte zusammen mit Asia (a.), Maria (a.) und Fatima (a.) zu den vier gesegneten Frauen, die im Heiliger Qur'an erwähnt werden.

 

Was Chadidschas (a.) angebliche frühere Ehen anbelangt, so sind die Historiker verschiedener Ansicht. Manche sagen, dass sie vor ihrer Heirat mit Prophet Muhammad (s.) bereits zweimal verwitwet war, andere sagen nichts darüber bzw., dass die nicht vorher verheiratet gewesen ist. Selbst wenn sie schon älter und zwei Ehen hinter sich gehabt hätte, hätte das ihre hohe Stellung bei ALLAH und dem Prophet Muhammad (s.) nicht gemindert. Aber es gibt berechtigte Zweifel daran, und manche Gelehrte äußerten auch den Verdacht, dass man die beiden früheren Ehen Chadidschas (a.) "erfunden" hatte, um die These aufzustellen, dass eine spätere Frau des Propheten Muhammad (s.), die er als Jungfrau heiratete, seine "Lieblingsfrau" und einzige Jungfrau gewesen sei, was damals bei Arabern eine Auszeichnung war. Alles deutet darauf hin, dass sie nach mehreren wunderbaren Gegebenheiten erstmalig eine Ehe mit Prophet Muhammad (s.) einging.

 

Als die Prinzessin von Mekka in Muhammads (s.) Haus eintrat, begann die glücklichste Zeit für sie, die 25 Jahre andauerte, bis zu ihrem Dahinscheiden. Vom ersten Tag ihrer Ehe an widmete sie sich ihrer neuen Aufgabe, ihren Mann glücklich zu machen. Ihre Ehe war auch mit Kindern gesegnet, sie bekamen zwei Söhne, Qasim und Abdullah, die allerdings beide noch im Kindesalter starben. Ihre Tochter Fatima (a.) überlebte das Kindesalter und wurde zur Fürstin aller Frauen der Welten.

 

Manche Historiker behaupten, dass schon vor Chadidschas (a.) Heirat mit Muhammads (s.) drei Mädchen in ihrem Hause lebten, Zainab, Ruqaya und Umm Khulthum. Sie waren allerdings die Töchter ihrer verstorbenen Schwester. Deren Vater war schon früher gestorben, und so brachte Chadidscha sie in ihr Haus. Nachdem ihre beiden Söhne so früh gestorben waren, wurden sie auch durch Imam Ali (a.) getröstet, der in ihrem Haus groß wurde. Es gab eine Hungersnot in Mekka, und Abu Talib hatte Schwierigkeiten, seine Kinder zu versorgen. So bat er Prophet Muhammad (s.), seinen jüngsten Sohn Ali (a.) zu sich zu nehmen. Als Ali (a.) ins Haus des Prophet Muhammad (s.) und Chadidschas (a.) kam, war er 6 Jahre alt. Muhammad und Chadidschas (a.) erzogen ihn und umgaben ihn mit ihrer Liebe.

 

Es gibt viele falsche Darstellungen der ersten Offenbarung bei denen u.a. Chadidscha (a.) ihren Mann überzeugt. In der wahrhaften Darstellung ist sie von Anfang an die erste, die sofort von ihm überzeugt ist. Der durch und durch von der erste Offenbarung faszinierte Prophet Muhammad (s.) erreicht das Haus in einem Zittern der Faszination und bittet Chadidscha (a.), ihn in eine Decke einzuhüllen (Heiliger Qur'an 74:1 ff.). Sie war es auch, die ihren Ehemann nach der ersten Offenbarung als erste Frau sah.

 

Ihre Annahme des Islam führte zur Ausgrenzung aus der Gesellschaft. Aber Chadidscha (a.) schaffte es, sich umzustellen und das harte Leben der jungen muslimischen Gemeinde zu teilen, indem sie all ihren Reichtum den Armen und Waisen schenkte. Sie organisierte ihr ganzes Leben neu, um es der Persönlichkeit Muhammad (s.) zu widmen. Später beten sie zusammen mit Ali (a.) das erste Gemeinschaftsritualgebet in der Geschichte des Islam. Sie ist die erste Betende des Islam!

 

Chadidscha (a.) war die ideale Mutter der Gläubigen. Als die kleine Auswanderung der unterdrückten Muslime nach Abessinien stattfand, steht nichts in den historischen Quellen darüber, wer ihre Karawanen ausstattete und die Reise finanzierte, denn die Muslime selber waren zu arm dazu. Es ist fast mit Sicherheit anzunehmen, dass Chadidscha (a.) die Reise finanzierte, da sie allein die Mittel dazu besaß. Im 10. Jahr nach der Verkündung des Islam, eine Jahr vor der Auswanderung, starb Chadidscha (a.). Die Liebe des Propheten Muhammad (s.) zu Chadidscha (a.) war nicht sterblich, sie dauerte auch nach ihrem Tod fort und wurde sogar stärker. Keine seiner späteren Ehefrauen konnten Chadidschas (a.) Stelle einnehmen.

 

Eines Tages kam eine alte Frau zu Prophet Muhammad (s.) mit einer Bitte. Er begrüßte sie herzlich, und war sehr besorgt aufgrund ihres Anliegens. Als sie gegangen war, fragte Aischa, die bei ihm war, wer diese Frau denn sei. Prophet Muhammad (s.) antwortete: "Als Chadidscha und ich in Mekka waren, kam diese Frau sie von Zeit zu Zeit besuchen." Zu Lebzeiten hatte Chadidscha (a.) zahlreichen Leuten Großzügigkeit erwiesen, und auch nach ihrem Ableben hörte der Prophet Muhammad (s.) nicht auf, ihnen weiterhin Wohltaten zukommen zu lassen. In diesem Zusammenhang berichtete Aischa: "Wann immer ein Schaf oder eine Ziege geschlachtet wurde, ordnete der Gesandte Allahs an, dass das Fleisch zu den Damen geschickt werden sollte, die mit Chadidscha befreundet gewesen waren. Eines Tages fragte ich ihn, warum er das tat, und er antwortete: "Ich liebe all diese Leute, die Chadidscha (a.) liebten."

 

Aischa wird folgendermaßen zitiert: "Wenn immer der Gesandte Allahs das Haus verließ, um irgendwo hin zu gehen, gedachte er Chadidschas, er lobte und segnete sie." Das erregte Aischas Eifersucht auf die Frau, die längst verstorben war. Prophet Muhammad (s.) half immer den Armen und Kranken. Bei so einer Gelegenheit fragte ihn Aischa nach dem Grund dafür. Er antwortete: "Chadidscha hat mir gesagt, dass ich diese Leute mit Freundlichkeit und Liebe behandeln soll. Es war ihr letzter Wunsch." Als Aischa das hörte, geriet sie in Zorn und rief: "Chadidscha! Chadidscha! Es scheint, als ob es für dich keine andere Frau auf der Erde gibt als Chadidscha!" Prophet Muhammad (s.) hatte grenzenlose Geduld, aber nach Aischas Ausbruch sprach er eine Weile nicht mehr mit ihr. Bei einer anderen Gelegenheit sagte Aischa: "O Gesandte Allahs! Warum sprichst du die ganze Zeit über diese alte Frau? Nach alldem hat Allah dir bessere Frauen als sie gegeben." Prophet Muhammad (s.) sagte: "Nein, Aischa! Allah gab mir nie eine bessere Frau als Chadidscha. Sie glaubte an mich in Zeiten, in denen die Leute mich verleugneten. Sie gab all ihr Hab und Gut für mich hin, als die Leute mich boykottierten. Und Allah gab mir nur durch Chadidscha Kinder."

 

Chadidscha (a.) lebte nach ihrem Ableben in den Herzen der Gläubigen weiter. Sie lebte aber auch in der Geschichte des Islam weiter. Denn bereits im Jahr nach der Auswanderung sollte nur wenige Tage nach dem Jahrestag ihres Ablebens ein Ereignis im Monat Ramadan stattfinden, dass von großer Bedeutung für die Muslime war: Die öffentliche Verbrüderung.

 

Ungefähr fünf Monate nach der Auswanderung am 12. Tage des Monats Ramadan sollte die Einheit der noch jungen Islamischen Gemeinschaft dadurch bekräftigt werden, dass sich jeder Auswanderer aus Mekka mit einem Helfer in Medina auf Anweisung von Prophet Muhammad (s.) verbrüdern sollte. Es gab nur eine Ausnahme: Nur Prophet Muhammad (s.) nahm sich als Auswanderer Imam Ali (a.) zum Bruder, der ebenfalls Auswanderer war. Dadurch sollte der Islamischen Gemeinschaft einmal mehr die Sonderrolle verdeutlicht werden, die Imam Ali (a.) inne hatte und kein anderer. Imam Ali (a.) war der "Helfer" von Prophet Muhammad (s.). Derjenige, der im Haus des Propheten und Chadidschas groß geworden war, derjenige, der die Essenrationen von Chadidscha in die Höhle Hira zum Propheten gebracht hatte, sollte hier einmal mehr ausgezeichnet werden.

 

Diese berühmteste Verbrüderung wird auch als Verbrüderung von Medina [muachat-ul-madina] bezeichnet. Sie gilt allerdings bereits als zweite Verbrüderung, da eine erste Verbrüderung unter den Auswanderern bereits vor der Auswanderung auf Anweisung des Propheten Muhammad (s.) erfolgt ist.

 

Beim ersten Mal wurde Abu Bakr der Bruder von Umar und Uthman der Bruder von Abdurrahman ibn Auf. Beim zweiten Mal wurde Abu Bakr mit Haradscha ibn Zaid und Umar mit Atban ibn Malik verbrüdert. Beide Male wurde - wie erwähnt - Imam Ali (a.) der Bruder des Gesandten Allahs (s.). Nach manchen Überlieferungen wurde eine dritte Verbrüderung bei dem Ereignis von Ghadir Chum wiederholt.

 

Es ist kein Zufall, dass die Erinnerung im Monat Ramadan nach Abu Talib über Chadidscha zu Imam Ali (a.) reicht, denn darin sind Zeichen für Leute, die es erkennen mögen.

 

Gott schenken allen Muslimen die Einheit in Wahrheit.

 

Es grüßt herzlich

Ihr Muslim-Markt-Team

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