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Einführung in die Glaubensgrundlagen des Islam


Waldmann
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#bismillah#

 

I. Einführung

 

In den kommenden Wochen wollen wir uns etwas mit den Glaubensfragen des Islam befassen. Bevor wir uns jedoch mit den Glaubensgrundlagen des Islam befassen ist es notwendig einige einleitende Themen anzuführen. Dabei werde ich die Themen in enger Anlehnung zu dem Buch Amuzesche Aqa'id von Ayatollah Mesbah Yazdi gestalten.

 

 

II. Erläuterung der wichtigsten Begriffe

 

· Der Begriff Religion

 

· Unterscheidung zwischen Glaubensbereich und Handlungsbereich

 

· Unterschied zwischen Weltanschauung und Ideologie

 

· Unterschied zwischen religiöser und materia­listi­scher Weltan­schauung

 

· Die wahrhafte, bzw. göttliche Reli­gion

 

 

A. Der Begriff Religion

 

Das Wort Religion[1] bedeutet soviel wie der Glaube daran, dass die Welt einen Schöpfer hat und dass es daneben prakti­sche Vor­schriften gibt, die diesem Glauben ent­sprechen.[2] Jemand, der an keinen Schöpfer für diese Welt glaubt und deren Entstehung als rein zufällig oder materiell bezeichnet, wird also als nicht religiös eingestuft. Umgekehrt wird aber jemand, der an einen Schöpfer für diese Welt glaubt, als religiös eingestuft.

 

Bei religiösen Menschen kann es natürlich sein, dass ihr Glaube und die damit verbundenen Riten mit abergläubigen Gedankengut und Ritualen behaftet bzw. vermischt sind. Aus diesem Grund kann man die bestehenden Religionen in wahr­hafte und nicht wahrhafte bzw. falsche Religion unterteilen. Als wahrhaft bezeichnen wir jene Religion, die in ihren Glaubensgrundlagen mit der Wirklichkeit übereinstimmt und im praktischen Bereich jenes Benehmen vorschreibt bzw. fördert, das den Menschen zu seinem wirklichen Glück führt. Natürlich ist klar, dass die Richtigkeit dieser beiden Punkte auch gewährleistet sein muss. Das bedeutet, dass wir uns auf der Basis von logischen Argumenten auch dessen sicher sein müssen, dass es sich bei jener Religion, von der wir meinen, dass sie die wahrhafte ist, auch um die wirklich wahrhafte Religion handelt.

 

 

B. Unterscheidung zwischen Glaubensbereich und Handlungsbereich

 

Jede Religion besteht aus zwei Bereichen:

 

1. Einem theoretischen Fundament, das man den Glaubensbereich bzw. die Glaubensgrundlagen nennt.

 

2. Einem praktischen Überbau, also jenen Handlungen, die sich aus den Glaubensgrundlagen ergeben. Diesen Bereich nennt man praktischer Bereich oder auch Glaubenspraxis.

 

Der Glaubensbereich umfasst also das geistige Fundament der je­weiligen Religion. Der Handlungsbereich aber leitet sich vom Glaubensbereich ab und umfasst Vor­schriften für die freien Handlungen des Menschen, die in Einklang mit dem Glaubensbereich stehen. D. h. der Glaubensbereich sagt dem Menschen, was er glauben soll bzw. welche Weltanschauung er haben soll und gemäß diese Weltanschauung schreibt die Handlungspraxis dem Menschen vor, wie er sich verhalten soll bzw. was er tun und unterlassen soll.

 

Man kann also den Glaubensbereich als Fundament[3] und den praktischen Bereich als Überbau[4] bezeichnen.

 

 

C. Weltanschauung - Ideologie

 

Diese beiden Begriffe sind in ihrer Bedeutung einander sehr ähnlich. Der Begriff Weltanschauung[5] wird zwar verschiedenartig definiert, doch in kann man sagen, dass man mit Weltanschauung eine Reihe von Glaubens­grundlagen sowie allgemeiner An­schauungen hinsichtlich der Welt und des Menschen bezeichnet, die mit einander in Einklang stehen, also einander nicht­ widersprechen.

 

Der Begriff Ideologie[6] ist im weiteren Sinn gleichbedeutend mit dem Begriff Weltanschauung. Dieser Begriff wird aber auch in einem engeren Sinn gebraucht, in dem er auch auf den Handlungsbereich angewandt wird. Dann bezeichnet er auch eine Reihe von Ansichten hinsichtlich des menschlichen Benehmens, die mit einander in Einklang stehen.

 

In Bezug auf die Religion bedeutet das, dass die Weltanschauung den jeweiligen Glaubensbereich und die Ideologie (im engeren Sinn) den jeweiligen Handlungsbereich umfasst. In diesem Sinn wäre die Weltanschauung also das Fundament und die Ideologie der Überbau.

 

Beide Begriffe umfassen jedoch nur den allgemeinen Glaubens- bzw. Handlungsbe­reich, nicht aber die jeweili­gen Teilgebiete.

 

 

D. Religiöse Weltanschauung - materia­listi­sche Weltan­schauung

 

Die vorherrschenden Weltanschauungen sind sehr verschieden und stehen oftmals auch im Widerspruch zu einander. Manche Weltanschauungen besagen, dass es außerhalb des Materiellen auch etwas Immaterielles, Transzendentales bzw. Übernatürliches gibt. Andere Weltanschauungen beschränken die Existenz rein auf das Materielle und verneinen die Existenz jeglichen Immateriellen. Jene Art von Weltanschauung die besagt, dass es etwas Übernatürliches gibt, wird als religiöse (göttliche) Weltanschauung bezeichnet. Die zweite Art, welche die Existenz auf das Materielle beschränkt wird als materialistische Weltanschauung bezeichnet.

 

Die philosophischen Darstellungen materialistischer Weltanschauungen werden als Materialismus und deren Anhänger als Materialisten bezeichnet. Es ist natürlich klar, dass sich auch materialistische Weltanschauungen von einander deutlich unterscheiden.[7]

 

Daraus ist zu erkennen, dass der Begriff Weltanschauung sehr weitläufig ist und nicht nur religiöse, sondern auch materialistische Ansichten umfasst.

 

 

E. Wahrhafte (göttliche) Reli­gion

 

Hinsichtlich der Herkunft der verschiedenen Religionen gibt es verschiedene Ansichten. Aus islamischen Doku­men­ten ist zu ersehen, dass die Entste­hung der Religion auf die Ent­stehung des Menschen zurückgeht. Gemäß diesen Dokumenten war Adam (a.s.) auch gleichzeitig der erste Pro­phet, der die Menschen zur Verehrung eines Einzigen bzw. Einzigar­tig­en Gottes[8] rief. Danach kam es aus verschiedenen Gründen[9] zu Verfälschungen, die zur Entstehung von unterschiedlichen Re­ligionen und letztlich auch zur Entstehung des Materialismus führten. Man unterteilt die verschiedenen Religionen in Monotheismus,[10] Polytheismus,[11] Pantheismus,[12] Deismus,[13] Naturreligion[14] und Offenbarungsreligion[15].

 

Aus islamischer Sicht bezeichnen wir die unverfälschte monotheistische Religion, die auf jener Weltanschauung basiert, die mit der Wirklichkeit übereinstimmt, als wahrhafte oder auch göttliche Religion. Natürlich hat es im Laufe der Geschichte nicht nur eine wahrhafte bzw. göttliche Religion gegeben. Aus diesem Grund ist es notwendig, auf die gemeinsamen Grundlagen der wahrhaften Religionen hinzuweisen.

 

1. Gemeinsame Grundlagen der wahrhaften Religionen

 

Die wahrhaften Religionen[16] besitzen drei gemeinsame Glaubensgrundlagen, diese sind:

 

· Der Glaube an einen Gott.

 

· Der Glaube an ein ewiges Le­ben.

 

· Der Glaube an die Ernennung von Propheten durch Gott.

 

Das ewige Leben wird dem Menschen am Jüngsten Tag zuteil. Dort wird er den Lohn für seine Taten erhalten. Die Ernennung von Propheten dient dazu, den Menschen zu seiner Vollkommenheit und seinem diesseitigen und jenseitigen Glück zu führen.

 

Diese drei Glaubensgrundlagen sind die Antwort der wahrhaften Religion auf die grundsätzlichsten Fragen des Menschen, nämlich:

 

· Was steht am Anfang der Existenz?

 

· Was kommt nach dem Tod?

 

· Wie kann man die beste Lebensweise erkennen?

 

Die Richtigkeit der Lebensweise, welche die wahrhafte Religion vorschreibt, ist durch die göttliche Offenbarung gewährleistet und in Wirklichkeit nichts anderes als jene praxisbezogene Ideologie bzw. Glaubenspraxis, die sich aus der Weltanschauung der Religion ergibt.

 

 

2. Unterschiede in den Glaubensgrundlagen der wahrhaften Religionen

 

Die verschiedenen Religionen, die wir als wahrhaft bezeichnen, sind natürlich nicht nur auf diese drei Grundsätze beschränkt. In jeder Religion werden diese Grundsätze, auf Grund unterschiedlicher Ansichten, durch Analysen und Schlussfolgerungen erweitert. Die Gesamtheit dieser erweiterten Grundsätze bildet das Glaubenssystem der jeweiligen Religion, durch das sich die wahrhaften Religionen von einander unterscheiden.

 

Judentum, Christentum und Islam unterscheiden sich z.B. durch ihre verschiedenen Ansichten in Bezug auf die von Gott gesandten Propheten und Heiligen Schriften. Das Judentum akzeptiert die von Gott gesandten Propheten von Adam bis einschließlich Moses (a.s.), das Christentum akzeptiert diese bis einschließlich Jesus (a.s.) und der Islam akzeptiert all diese Propheten einschließlich des Propheten Muhammad (s.a.s.). Auch die Heiligen Schriften sind demgemäß unterschiedlich. Diese unterschiedlichen Ansichten sind Anlass zu weiteren Unterschieden im Glaubens- und Handlungsbereich der genannten Religionen. Beim Christentum hat dies z.B. zu der Überzeugung der Dreifaltigkeit Gottes geführt. Eine Ansicht, die, würde man sie konsequent anwenden, sich nur schwer mit dem Monotheismus in Einklang bringen ließe. Aber auch innerhalb der einzelnen Religionen gibt es Unterschiede. Hier haben z.B. unterschiedliche Ansichten darüber, wie die Nachfolger des heiligen Propheten zu bestimmen sind, ob durch Gott oder die Menschen, zur Entstehung verschiedener Rechtsschulen geführt.

 

 

3. Die Glaubensgrundlagen des Islam

 

Im Islam finden wir neben den genannten Grundlagen noch weitere Glaubensgrundlagen, wie die Einzigartigkeit Gottes[17] und das Prophetentum[18] des Propheten Muhammad (s.a.s.). Die Einzigartigkeit Gottes als islamischer Grundsatz ergibt sich durch das Analysieren des Monotheismus. Das Prophetentum des Propheten Muhammad (s.a.s.) wiederum ergibt sich aus der Analyse des Prophetentums und den Beweisen der Entsendung Muhammads (s.a.s.) von Seiten Gottes.

 

Man kann demgemäß verschiedene Ebenen als Glaubensgrundlagen definieren. So könnte man den Glauben an Gott als eine und die Einzigartigkeit Gottes als eine zweite Glaubensgrundlage bezeichnen. Einige schiitische Gelehrte zählen z.B. durch eine Analyse der Einzigartigkeit Gottes und des Prophetentums, die Gerechtigkeit Gottes[19] und die Nachfolgerschaft der Imame[20] (a.s.) zu den Grundlagen des schiitischen Glaubens.

 

Diese Zuordnungen sind nicht vorherbestimmt, sondern sie unterliegen den verschiedenen Betrachtungsweisen des Menschen. Es hätte also wenig Sinn über deren Anzahl zu streiten.

 

Der Begriff Glaubensgrundlagen findet also verschiedenartige Verwendung, unter anderem in folgenden:

 

1. Als allgemeiner Begriff, im Gegensatz zum Handlungsbereich.

 

2. Als Glaubensgrundlagen im absoluten Sinn. D.h. als jene Glaubensgrundlagen, die allen wahrhaften Religionen gemeinsam sind.

 

3. Als Glaubensgrundlagen einer bestimmten Religion bzw. einer bestimmten Glaubensrichtung.[21]

 

 

_____________________________________________________

 

[1] Arabisch "Din"

 

[2] Religion [lat.], Begriff, der eine Fülle histor. Erscheinungen bezeichnet, denen ein spezif. Bezug zw. dem "Transzendenten" einerseits und den Menschen andererseits in einer deren Verhalten normativ bestimmenden Weise zugrunde liegt... [LexiROM Version 2.0]

 

[3] Usul-ud-Din

 

[4] Furu'-ud-Din

 

[5] Weltanschauung, im Unterschied zum naturwiss. Weltbild eine auf das Ganze der Welt und der menschl. Existenz abzielende Sinndeutung. [LexiROM Version 2.0]

 

[6] Ideologie, heute meist abwertend für weltanschaul. Konzeptionen, die auf Ideen beruhen, die zur Erreichung gesellschaftl., polit. Ziele absolut (anderes ausschließend) gesetzt werden. [LexiROM Version 2.0]

 

[7] Die bekanntest Form des Materialismus in der heutigen Zeit ist wahrscheinlich der Dialektische Materialismus. Er ist das philosophische Fundament des Marxismus.

 

[8] At-Tauhid

 

[9] Meist die Erreichung von Zielen, die zur Sicherung der Interessen einzelner Personen oder Gruppen dienten.

 

[10] Der Glaube an einen transzendenten bzw. immateriellen Gott.

 

[11] Der Glaube an mehrere Götter.

 

[12] Welt und Gott werden identifiziert; keine Annahme eines transzendenten Gottes [Alexander Ulfig; Lexikon der philosophischen Begriffe, 1999]

 

[13] Gott und Welt sind getrennt [Alexander Ulfig; Lexikon der philosophischen Begriffe, 1999]

 

[14] Die Inhalte, Ziele und Zwecke dieser Religion werden vom Menschen bestimmt [Alexander Ulfig; Lexikon der philosophischen Begriffe, 1999]

 

[15] Die Inhalte, Ziele und Zwecke erhält diese Religion durch Gottes Wort und Tat, durch seine Offenbarung [Alexander Ulfig; Lexikon der philosophischen Begriffe, 1999]

 

[16] Damit sind natürlich auch Religionen gemeint, die in ihrem Ursprung göttlich bzw. wahrhaft sind, dann aber im Laufe der Geschickte verfälscht wurden.

 

[17] At-Tauhid

 

[18] An-Nubuwwah

 

[19] Al-Adil, Al-Idalah

 

[20] Al-Imamah

 

[21] Usul Al-Mazhab

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  • 1 Monat später...

#bismillah#

#salam#

 

Inschaallah gibt es bald eine Fortsetzung. Die Frage nach dem Sinn und Zweck der Religion müsste sich direkt anschließen. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

 

#salam#

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