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Das Imamat im Koran - Grundlagen


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#bismillah#

Assalam Alaikoum,

Lehnt sich stark an Vorträgen von Ayatullah Sayyed Kamal Al-Haidari (h.a)

 

Inhaltverzeichnis:

  1. Einführung
  2. Wichtigkeit der Überzeugungen

    1. Die Säulen der Religion
    2. Die Beziehung zwischen den Überzeugungen und den Taten
    3. Emporsteigen des Wortes
    4. Das Täuschende Aussehen
    5. Die Taten entspringen aus der Überzeugung
    6. Eine ausführlichere Betrachtung der Rolle der Taten
    7. Das Wissen ist ein Mittel
    8. Zusammenfassung
    9. Einführung:

       

      In dieser neuen Reihe soll inschallah mit der Zeit ein wissenschaftlicher Beweis für das Imamat aus dem Koran entwickelt werden. Der Beweis wird inschallah auf einer festen Grundlage basieren. Unsere Hauptquelle wird der Koran sein. Er wird das Zentrum unseres Interesses sein und wir werden ihn fragen, was er zum Imamat sagt und seine gesegneten Antworte extrahieren.

       

      Es ist aber klar, dass man den Koran nicht einfach so verstehen kann, ohne dass man sich vorher einige Grundlagen verschafft hat. Diese Grundlagen verteilen sich auf zwei Ebenen:

      1. Die rein sprachliche Ebene, wo es darum geht die sprachlichen Aspekte des Satzbaus sowie die sprachliche Bedeutung der Worte und insgesamt das richtige Verständnis der arabischen Grammatik zu berücksichtigen.
      2. Die zweite Ebene ist die Ebene der Semantik bzw. die Ebene der Bedeutungen des Korans, denn um diese Bedeutungen richtig einzuordnen und die Prioritäten richtig zu verteilen und um Zusammenhänge zwischen den Bedeutungen in den verschiedensten Kontexten, Verse und Suren herstellen zu können, muss man natürlich Tafsir im Lichte des Verstandes und des logischen betreiben.

      Eine philsophische Grundlage muss vorhanden sein, auf der wir aufbauen können. Es ist somit notwendig allgemeine Gesetze und Eigenschaften herzuleiten, die überall gelten und immer benutzt werden können, wenn man dabei ist den Koran zu exegesieren und zu intepretieren.

       

      Die Notwendigkeit dieser Grundlagen auf beiden Ebenen ist offensichtlich, denn ohne sie, würde man natürlich den Koran nicht richtig verstehen können. Zum einen weil ja das Verständnis des Korans die Kenntnis der arabischen Sprache vorraussetzt, denn nur dann kann man den Worten ihre richtige Bedeutung zuordnen und nur dann kann man dem Wort ihre richtige Rolle im Satz zuordnen.

       

      Zum anderen ist das Verständnis des Korans ohne das Miteinbeziehen der logischen und philosophischen Grundlage eine grosse Quelle des Irrtums in vielen wichtigen oder weniger wichtigen Fragen, also erst recht wenn, es um eine der wichtigsten Themen im Koran überhaupt geht, nämlich "Das Imamat". Das Verzicht auf diese Grundlage ist ein Verhalten, das dem Verhalten der Chawaridsch ähnelt, als sie ihr berühmtes Wort „Es gibt kein Urteil außer für Allah" ausgesprochen haben, denn "Es gibt kein Urteil außer für Allah" ist ein wahres Wort aber die Frage ist, wie man das Urteil Allahs extrahieren kann und in dieser Hinsicht ist es offensichtlich, dass der Wissende nicht mit dem Unwissenden gleichgesetzt werden kann und dass der richtige Hintergrund, der durch die Eignung dieser logischen und philosophischen Grundlagen, sowie die daraus entstehenden allgemeinen Gesetze, die im Koran Geltung finden, eine viel bessere und firmere Vorraussetzung darstellen und eine firme Basis bilden. Deswegen stützt sich die Reihe auf das Verständnis des grossen Gelehrten 'Allamah Sayyed Muhammad Hussein Tabataba'i (q.s), der einen der besten, ja sogar ich würde sagen den besten, Tafsir des Korans seit der Zeit der grossen Verborgenheit geliefert hat.

       

      Bevor wir unsere Überzeugung bzgl. dem Imamat darlegen, müssen wir also einige Grundlagen herausarbeiten, die uns dabei helfen. Die Reihe wird relativ lang sein und basiert auf Vorträge von Ayatullah Kamal Al-Haidari (ha).

       

      Wichtigkeit der Überzeugungen:

       

      Was ist der Sinn und der Nutzen, wenn wir glauben, dass der Imam eine schöpferische Wilayah besitzt oder nicht, Was nützt uns zu wissen, ob der Prophet (s.a.a.s) diese Wilayah besitzt oder nicht, ob der Imam seit seiner Geburt unfehlbar ist oder erst nachdem er seine religiöse Reife erreicht, unfehlbar wird, ob er nur bei der Verkündung unfehlbar ist oder aber in allen Angelegenheiten, ob er gezwungen ist, unfehlbar zu sein oder vermdie Fehler aus seiner Freiheit heraus vermeidet. Was ist so wichtig daran zu glauben, dass der Prophet (s.a.a.s) bzw. dessen Licht, das erste Geschöpf war oder nicht? Oder noch allgemeiner wieso ist es so wichtig solche Überzeugungen zu haben?

       

      Um diese Frage zu beantworten nehmen wir einfach den Koran zu Hilfe und fragen uns, was ist im Koran wichtiger die Überzeugung oder die Tat. Welche der beiden bekommt das größere Gewicht? Worum bewegen sich die ganzen koranischen Aussagen, Wahrheiten und Gesetze? Um die Überzeugungen oder um die Taten?

       

      Die Säulen der Religion:

       

      Wie wir wissen, hat der Islam 3 Grundsäulen. Das sind der Tauhid, das Prophententum, und die Auferstehung bzw. Der Glaube an das Jenseits. In unserem schiitischen Verständnis gibt es noch 2 Säulen und das sind das Imamat und die göttliche Gerechtigkeit.

       

      Mehrere schiitischen Gelehrten haben mit Recht bemerkt, dass das Imamat das Verständnis des Prophententums vervollständigt und deswegen eingentlich zu dieser Säule gehört und ihre Bedeutung ergänzt. Und die göttliche Gerechtigkeit ist gemäß den Gelehrten die Vervollständigung des Tauhids bzw. des richtigen Verständnisses dessen. Somit haben wir es auch schiitisch gesehen mit 3 Säulen zu tun.

       

      Warum diese Überzeugung als Grundsäulen des Islams sind, dürfte auch klar sein, weil man keine dieser Säulen entfernen kann, ohne dass man den Islam verwirft. Sie machen also die Bedeutung des Islams aus. Ohne den Glauben an das Jenseits z.B., kann man nicht als Muslim bezeichnet werden. Wenn man an das Prophetentum und an das Jenseits glaubt aber nicht an Gott, dann ist man natürlich kein Muslim. Man wird also natürlicherweise kein Muslim, wenn man eine dieser Säulen verwirft.

       

      Bei genauerer Betrachtung haben die Gelehrten sogar alle Überzeugungen auf den Tauhid zurückgeführt und alles andere als Zweige dieser gesegneten Überzeugung angesehen.

       

      [4:116] Wahrlich, Allah wird es nicht vergeben, daß Ihm Götter zur Seite gestellt werden: doch Er vergibt, was geringer ist als dies, wem Er will. Und wer Allah Götter zur Seite stellt, der ist in der Tat weit irregegangen.

       

      Im erwähnten Vers sehen wir, welche Bedeutung der Aqida(Überzeugung) zugewiesen wird, so dass Allah uns nie verzeiht, wenn wir Ihm etwas beigesellen, egal wie gut unsere Taten äußerlich erscheinen mögen. Denn wenn das innere faul ist, so stellt das äußere nur eine Täuschung dar. Und das Gift sieht manchmal wie Wasser aus und wenn die Zähne des Löwen herausstechen, heißt das nicht, dass er lachen würde.

       

      Der folgende Vers zeigt, dass der Tauhid eigentlich der Zweck der Religion ist und ihre endgültige und einzige Säule und dass alles andere aus dieser gesegneten Säule stammt bzw. hergeleitet wird:

       

      [11:1] Alif, Lâm, Râ§. Das ist ein Buch, dessen Verse (gemäß der Wahrheit) festgelegt wurden, dann ausführlich dargelegt wurden von Gott, Dessen Weisheit und Wissen unermeßlich sind.

      [11:2] (Es lehrt euch,) daß ihr keinen außer Allah anbeten sollt. Ich bin euch von Ihm (als) ein Warner und ein Bringer froher Botschaft (gesandt worden).

       

      Auch dem Prophetentum wird so eine grosse Bedeutung zugewiesen, dass es deutlich und klar wird, dass ohne den Islam in seinem allgemeinen Sinne, jedes Streben und Trachten sinnlos ist:

      [3.19] Wahrlich die Religion bei Allah ist der Islam

      [3.85] Und wer sich eine andere Religion als der Islam wünscht, so wird diese von ihm nicht angenommen und er gehört im Jenseits zu den Verlierern.

       

      Diese klaren Verse zeigen ohne Zweifel, dass der Islam der einzige Weg zum Allmächtigen ist und dass somit das Prophetentum eine Grundsäule ist, um zum Allmächtigen zu gelangen. Die Religion Allahs enthält also naturgemäß das Prophetentum. Wir sehen also, wie wichtig diese grundlegenden Überzeugungen und wie sie allen anderen Aspekten vorangehen.

       

      Die Beziehung zwischen den Überzeugungen und den Taten:

       

      Der Koran sagt deutlich, dass die Überzeugungen eigentlich die wahren Erkenntnisse sind, die dem Menschen zur Nähe Allahs bringen und dass die Tat die Rolle des Mittels spielt und somit den Weg darstellt.

       

      So lesen wir im Koran:

      [35:10] Wer da Erhabenheit begehrt (, der wisse), daß alle Erhabenheit Allah gehört. Zu Ihm steigt das gute Wort empor, und rechtschaffenes Werk wird es hochtreiben lassen. Und diejenigen, die Böses planen - für sie ist eine strenge Strafe (bestimmt); und ihr Planen wird unwirksam sein.

       

      Allah weist hier offensichtlich nicht auf den Sprachlichen Aspekt der Worte hin. Es geht nicht um die Zunge, sondern um die Bedeutung der Worte. Denn wenn die Bedeutungen der Worte gut bzw. wahrhaftig sind, dann steigen diese zu Allah empor und die guten Worte sind offensichtlich nichts anderes als die wahrhaftigen Überzeugungen, die der Mensch in seinem Herzen trägt.

       

      Dass die guten Worte emporsteigen bedeutet aber nichts anderes, als dass der Mensch, der diese Überzeugungen hat, die Nähe zu Allah dadurch erlangt, denn die Überzeugung hat innerlich gesehen, die gleichen Eigenschaften, die der Überzeugte besitzt und somit kann man auf eine Einheit zwischen den beiden schließen, so dass das Emporsteigen des einen ein Emporsteigen des anderen bedeutet und diese Beziehung wird immer stärker ausgeprägt, wenn die Überzeugung im Herzen immer fester verankert wird.

       

      An dieser Stelle kommt die Rolle der Tat, die als Bestätigung der Überzeugung ausgeführt wird und zur Befestigung der Überzeugungen dient und den guten Charakter des Herzens, das an die guten Worte glaubt, zum Vorschein bringt. Die Beziehung zwischen der Überzeugung und der Tat ähnelt einer Kohle, die anfangs schwarz und kühl ist. Doch dann wird sie angezündet, dann wird sie heiß und mit der Zeit wird das Feuer sich ausbreiten, bis es die Kohle umgibt. Wenn wir nun Wasser drauf gießen würden, dann wird das Feuer erlischen und die Kohle wird wieder schwarz, doch wenn das nicht geschieht wird die Kohle irgendwann in jedem Stück ihres Daseins mit Feuer umgeben. Wird diese Stufe erreicht, kann man die Kohle nicht wieder schwarz kriegen, denn ihre Wahrheit ist jetzt zu Feuer geworden. Und genau das ist die Rolle der Tat, sie versorgt die Überzeugung mit dem nötigen Sauerstoff, damit sie sich weiter entwickelt, bis dass sie Besitz vom Menschen ergreift.

       

      Emporsteigen des Wortes:

       

      Hier stellt sich nebenbei die Frage, was es bedeutet, dass das gute Wort zu Allah emporsteigt, wo wir doch an anderen Stellen im Koran lesen, dass Allah näher zu uns ist als wir zu uns selbst:

       

      [50:16] Wir haben doch den Menschen geschaffen. Und wir wissen, was er sich selber einflüstert, und sind ihm näher als die Halsschlagader.

      [2:186] Und wenn dich Meine Diener über Mich befragen, so bin Ich nahe; Ich höre den Ruf des Rufenden, wenn er Mich ruft. Deshalb sollen sie auf Mich hören und an Mich glauben. Vielleicht werden sie den rechten Weg einschlagen.

      [8:24] O ihr, die ihr glaubt, hört auf Allah und den Gesandten, wenn er euch zu etwas aufruft, das euch Leben verleiht, und wisset, daß Allah zwischen den Menschen und sein Herz tritt, und daß ihr vor Ihm versammelt werdet.

       

      Wir wissen, dass in der materiellen Welt die Nähe zwischen zwei Objekten symmetrisch ist. D.h. Wenn A nah zu B ist dann ist B nah zu A. Anders ist es, wenn sich um abstrakte bzw. metaphysische Beziehungen handelt. In solchen Beziehungen ist es möglich, dass A nah zu B ist aber B nicht nah zu A ist. Diese Entfernung des Menschen von Allah, wo doch Allah näher zu Ihm ist als sein Halsschlagader bedeutet einfach, dass der Mensch unachtsam ist, dass er diese Nähe nicht spürt, dass sein Herz von Schleiern umgeben ist, so dass er die göttliche Nähe nicht bezeugen kann. Würde der Mensch nachdenklich werden und sich auf die göttliche Anwesenheit konzentrieren, dann würde er Wunder erleben und diese Nähe spüren. Aber das geht nur durch das Aneignen von Wissen und die Bestätigung des Wissens mit Taten.

       

      Das Täuschende Aussehen:

       

      Wir sind also aufgefordert der Absicht und dem Inneren den größten Wert beizumessen und die Tat als Frucht anzusehen, denn wie wir wissen, es gibt in der Natur viele Früchte und Pflanzen, die nicht essbar sind und die teilweise giftig sind, obwohl sie gut aussehen. Auf der anderen Seite gibt es auch sehr viele schöne Früchte, die sehr gesund und lecker sind.

       

      Auch nicht jede Fleischsorte ist islamisch gesehen erlaubt zu verzehren. Es gibt eine eingeschränkte Anzahl von Tieren dessen Fleisch erlaubt ist. Heißt das, dass die anderen Tiere nicht gut aussehen und deswegen ist ihr Fleisch nicht halal? Natürlich nicht. Es liegt also an inneren Eigenschaften, die nichts mit dem Aussehen an sich zu tun haben. Genauso bei Fischen, bei Vögeln usw usf.

       

      Allgemein gesehen kann man sagen, dass das Äußere nur die Spitze des Eisberges zeigt und so zeigt das Aussehen der Tat nur die Spitze der Seele und lässt somit nicht immer auf die Gutartigkeit dieser Seele schließen. Man muss die Tat schon genauer betrachten um sie zu bewerten. Und das bleibt uns oft verschlossen, weil wir nicht die Möglichkeit haben die Absichten der Menschen durchzublicken.

       

      Die Taten entspringen aus der Überzeugung:

       

      Aus dem bereits erwähnten verstehen wir, was im folgenden Vers gemeint ist, wenn gesagt wird, dass die Rangstufen gemäß den Taten vergeben werden.

       

      [46:19] Und für alle gibt es Rangstufen gemäß dem, was sie getan haben, auf daß Er ihnen ihre Taten voll heimzahle; und kein Unrecht soll ihnen widerfahren.

       

      Denn hier sind die Taten gemeint, die mit dem wahren Inhalt gefüllt sind, mit der richtigen Überzeugung, die zur göttlichen Nähe führt, ansonsten heißt es:

      [24:29] Die aber ungläubig sind - ihre Taten sind wie eine Luftspiegelung in einer Ebene: Der Dürstende hält sie für Wasser, bis er, wenn er hinzutritt, sie als Nichts vorfindet. Doch nahebei findet er Allah, Der ihm seine Abrechnung vollzieht; und Allah ist schnell im Abrechnen.

       

      Eine genauere Betrachtung der Rolle der Taten:

       

      Die Taten helfen der Überzeugung höhere Stufen zu erreichen. Allah sagt in seinem heiligen Buch: Wenn ihr dankbar seid, werde ich euch wahrlich mehr geben. Was heißt hier mehr geben? Nur materiell gesehen? oder etwa mehr Rechtleitung? Höhere Stufen? Das ist genau das was im bereits genannten Vers [35:10] erwähnt wird. Allah lässt durch Dankbarkeit das gute Wort emporsteigen. Das ist die beste Gabe, die wir erhalten können.

       

      Umgekehrt, wenn wir undankbar sind, verlieren wir unsere Stufen und fangen an in die anderen Richtung zu fallen. Deswegen sagt Allah: Allah ändert die Lage eines Volks nicht, eher sie das ändern, was in ihren Seelen ist. Wie kann man das machen? Alleine durch das Heben der Hände in Richtung Himmel? Natürlich nicht! Man muss auch etwas aktiv tun, damit wir auch drauf hoffen, eine höhere Stufe in der göttlichen Nähe zu erreichen.

       

      Allah gibt uns die Gabe des Tauhid. Wir aber müssen gemäß dieser Überzeugung handeln, so dass seine Gnade uns zugeschrieben wird. Denn Allah sagte:

      [7:156] ...doch Meine Barmherzigkeit umfaßt alle Dinge; so werde Ich sie bestimmen - für jene, die (Mich) fürchten und die Zakah entrichten und für jene, die an Unsere Zeichen glauben.

       

      Das bedeutet, wenn der Mensch gemäß seiner Überzeugung handelt, erweist ihm Allah seine Gnade und erhöht seine Glaubenstufe. Wenn der Mensch nun in der zweiten Stufe ist, müsste er dementsprechend handeln, damit er eine weitere Stufe erreichen kann usw. usf. So steigt das gute Wort empor, so daß der Mensch bis auf zwei Bogensehnen heraufkommt oder noch näher, wie es mit dem Propheten geschehen ist. So sagte der Prophet (s.a.a.s) zu Imam Hussein (a.s): Du hast eine Stellung bei Allah die du nicht erreichen wirst außer duch Märtyrertum.

       

      Der Gottesdienst des Propheten:

      Jede Überzeugungsstufe macht es notwendig, dass man gemäß dieser Stufe handelt. Es wir überliefert, dass Der Prophet (s.a.a.s) selbst sagte, nachdem er gefragt wurde, warum er sich so sehr beim Gottesdient anstrengt, wo Allah ihm seine Gnade erwiesen hat (sinngemäß). Er sagte: Soll ich kein dankbarer Diener sein? Was ist die Dankbarkeit? Das ist nichts anderes als gemäß seinem Wissen zu handeln und nach dem göttlichen Wohlgefallen zu streben. Der Prophet (s.a.a.s) erkannte Allah mehr als jedes andere Geschöpf und dieses Wissen, war der Antrieb für seine Entschlossenheit. Er erkannte Allah so gut, dass er nicht wusste, wie er Ihm genug dankbar sein kann. Er versuchte alles zu tun, um den göttlichen Wohlgefallen zu erhalten.

       

      Die Gottesfurcht von Imam Ali:

      So sagte Imam Ali (a.s) auch:

      Bei Allah würde ich die Sieben Himmel und alles, was unter ihren Himmelskörpern ist, bekommen, dafür, dass ich Allah dabei ungehorsam bin, dass ich einer Ameise die Schale einer Gerste wegnehme, so würde ich es nicht tun und eure Welt, diese ist für mich unwichtiger als ein Blatt im Munde einer Heuschrecke, an dem sie knabbert.

       

      Solche Ausmaße kann die Dankbarkeit erreichen. Ein so grosses Ausmaß, dass man es als grosses Unrecht sieht, einer Ameise die Schale einer Gerste wegzunehmen. Die Natur der Taten, die Imam Ali (a.s) verrichtet hat, ähnelt nicht unseren Taten, weil seine Stufe viel höher als unsere war. Vielleicht sind einige Taten für uns als erlaubt anzusehen oder sogar als gut zu beurteilen, aber für einen Gläubigen, der eine höhere Stufe erreicht hat, könnte die gleiche Tat ein Vergehen in dieser Stufe bedeuten, ohne dass es heißt, dass dieser Gläubige dann etwas verbotenes begangen hat, aber es bedeutet, dass er sich unpassend zu seiner Stufe verhalten hat und das könnte bedeuten, dass er diese Stufe verlieren wird, wegen seiner Verhaltensweise. Deswegen heißt es: Die guten Taten der Gütigen, sind die schlechten Taten der Nächten (zu Allah).

       

      Das Nachtgebet eine Pflicht oder erwünscht?

      Das Nachtgebet ist bekanntlich ein erwünschtes Gebet. Für den Propheten (s.a.a.s) war es aber verpflichtend: [17:79] Und wache auf dazu in der Nacht, ein weiteres (Zusatzgebet) für dich, auf dass dich dein Herr zu einem löblichen Rang erhebt. Denn je mehr Erkenntnisse man gewinnt, desto mehr Verantwortung man tragen muss. Und wir wissen, dass am Tage der Auferstehung die Menschen die verschiedensten Stufen haben werden, obwohl ihre Taten äußerlich gesehen fast gleich aussehen, doch die Ergebnisse ihrer Taten sind sehr verschieden. Da fragt man sich wieso?

       

      Und nochmal sagen wir, es hängt von der Überzeugung, die man im Herzen hegt ab. Deswegen heißt es:

      Du siehst zwei Männer beten und denkst, dass sie sich in ihrem Gebet gar nicht unterscheiden, doch der Unterschied zwischen ihren Gebeten ist wie der Unterschied zwischen Himmel und Erde.

       

      Imam Hussein und Amr Ibnu Sa'd

      Ein noch deutlicheres Beispiel: Am Mittag von Aschura in Karbala im Jahre 61 n.H haben Imam Hussein (a.s) und seine Gefährten ihr letztes Gebet verrichtet und Umar Ibnu Sa'd (l.a) und seine Soldaten haben ebenfalls gebetet. Doch das erste Gebet war der Weg zum Himmel und hatte die höchsten Stufen und den höchsten Wert, die man erreichen würde und das andere Gebet war ein Gebet in den tiefsten Stufen der Hölle, wenn man das innere der Tat betrachten würde. Was ist der Unterschied zwischen den beiden Gebeten? Die Antwort ist klar.

       

      Die Güte der Taten im Koran:

      Der Koran spricht auch eine deutliche Sprache in dieser Hinsicht:

       

      [2:261] Das Gleichnis derjenigen, die ihr Vermögen auf dem Weg Allahs ausgeben, ist wie das Gleichnis eines Samenkorns, das sieben Ähren wachsen läßt, in jeder Ähre hundert Körner. Und Allah vervielfacht es, wem Er will. Und Allah ist Allumfassend, Allwissend.

       

      [6:160] Dem, der eine gute Tat vollbringt, soll (sie) zehnfach vergolten werden; derjenige aber, der eine böse Tat verübt, soll nur das Gleiche als Lohn empfangen; und sie sollen kein Unrecht erleiden.

       

      [27:89] Dem, der Gutes vollbringt, wird Besseres als das zuteil sein, und sie werden vor dem Schrecken an jenem Tag sicher sein.

       

      Wie wir aus diesen Versen ablesen, erhalten die Menschen für eine gute Tat verschiedene Grade von Belohnungen und das kann nur darauf zurückgeführt werden, dass die Absichte unterschiedlich rein sind und es ist bekannt, dass die Absicht erst dann reiner wird, wenn man mehr Gewissheit hat und die Gewissheit kommt allein durch wahres Wissen und das wahre Wissen ist nichts anderes als die richtigen Überzeugungen.

       

      Deswegen ist auch nun klar, wie man den Wert der Tat erkennen kann. Wir müssen nur unsere Überzeugung und unsere Treue analysieren und schauen ob sie genug vorhanden sind. Wir müssen analysieren, ob unsere Taten auf Falschheit basieren oder nicht und ob wir offensichtlichen oder versteckten Schirk begehen oder nicht. Der Unterschied ist also gemäß der Güte der Taten, die ja am Tage der Auferstehung verkörpert werden und es ist klar, dass der Körper einer Tat, die auf einer falschen Überzeugung basiert zumindest entstellt sein wird.

       

      Die Stufen der Gottesfurcht:

      Weiter lesen wir im Koran, dass er uns sagt: [3:102] Fürchtet Allah so sehr, wir es ihm gebührt...

       

      Wo anders sagt er:

      [64:16] Fürchtet Allah soviel ihr nur könnt.

       

      Und das zeigt ohne Zweifel, dass die Gottesfurcht mehrere Stufen hat, denn sonst hätte keinen Sinn zu sagen Fürchtet Allah so sehr, wie es ihm gebührt.

       

      An einer anderen Stelle heißt es:

      [3:162] Ist denn einer, der nach dem Wohlgefallen Allahs strebt, (gleich) wie einer, der dem Unwillen Allahs verfällt, und den (dereinst) die Hölle aufnehmen wird? - Ein schlimmes Ende!

      [3:163] Sie werden bei Allah (nach dem Wert ihrer Taten) verschieden eingestuft. Und Allah durchschaut wohl, was sie tun.

       

      Die Tat ist also die Frucht der Überzeugung. Und die Menschen werden gemäß dem Wert ihrer Taten eingestuft. D.h. Gemäß dem Inhalt ihrer Taten. Das heißt gemäß ihrer Absicht, die wie oben gezeigt auf die Überzeugung zurückzuführen ist.

       

      Die Stufen des Fastens:

      Einige Menschen fasten doch sie erhalten aus ihrem Fasten nichts anderes als Durst und andere f asten und erhalten als Lohn Allah (s.t) selbst, d.h. die größte Nähe zu Ihm, wie es in einem Hadith heißt. Die Tat ist gemäß ihres Aussehens identisch aber inhaltlich gesehen ist der Unterschied wie zwischen Himmel und Erde.

       

      Das Verlesen des Korans:

      Einige lesen den Koran und der Koran verflucht sie und andere lesen den Koran und leuchten für die Bewohner der Himmel, wie die Sterne für die Bewohner der Erde leuchten, wie es in einem anderen Hadith sinngemäß heißt.

       

      Der Besuch von Imam Hussein (a.s):

      Wer Hussein (a.s), wissend über seine Stellung, besucht, für den ist das Paradies verpflichtend, heißt es in einem Hadith

      Was ist dieses Wissen über seine Stellung?

       

      Und viele weitere Beispiele. Denn aus dem Glauben heraus, können keine schlechten Taten entspringen. Wenn Jemand eine schlechte Tat begeht, dann soll er sicher sein, dass er in seinem Herzen noch ein Aumaß an Schirk hat, der der versteckte Schirk heißt.

       

      Deswegen sagt Allah (s.t):

      [12:106] Und die meisten von ihnen glauben nicht ohne, dass sie Allah etwas beigesellen.

       

      Das Wissen ist ein Mittel:

       

      Wieso ist also das Wissen wichtig? Ist das Wissen an sich wichtig?

       

      Wir wissen, dass die Güte der Tat sich proportienell zum Grad der Überzeugung verhalten soll. Das Wissen ist notwendigerweise vorhanden, nachdem man die notwendigen Vorraussetzungen erfüllt hat. Im Gegensatz dazu entsteht der Glaube aus dem freien Willen heraus, auch wenn die notwendigen Vorraussetzungen erfüllt wurden. Deswegen heißt es im Koran: [18:29] Wer glauben will, der soll glauben, und wer nicht glauben will, der soll nicht glauben.

       

      Auch in die andere Richtung gilt dasselbe. Die schlechten Taten führen zu den falschen Überzeugungen und entfernen die richtigen Überzeugungen langsam aber sicher. Deswegen heißt es im Koran: [30:10] Und dann war das Ende derer, die Böses taten, das Allerschlimmste (as-suu§aa) (zur Strafe dafür), daß sie die Zeichen Allahs für Lüge erklärt und über sie zu spotten pflegten.

       

      Die schlechte Tat befestigt die schlechte Überzeugung im Herzen und führt dazu, dass diese sich entwickelt aber in die falsche Richtung, nämlich die Überzeugung nimmt dann die höchsten Stufen in der Hölle. Deswegen heißt es auch im Koran:

      [4:145] Wahrlich die Heuchler sind in der niedrigsten Stufe der Hölle.

       

      Diese Heuchler waren nicht vom Anfang an ganz heuchlerisch. Aber durch das dauerhafte Verrichten schlechter Taten entwickelten sie sich zu Heuchlern erster Stufe. Iblis (l.a) kommt nicht direkt und sagt dem Menschen, diene den Götzen, sondern er führt den Menschen stufenweise in die Verdorbenheit. Er verführt ihn erstmal dazu, verpönteTaten zu verrichen, dann führt er ihn dazu, einige verbotene Taten zu verrichten. Er sagt ihm, das sind doch kleine Sünden. Nachher führt er ihn zu den grossen Sünden und letztendlich kommt eine Stelle, wo er die größte aller Sünden macht und das ist nicht anderes als der Schirk, d.h. Allah Partner beizugesellen.

       

      Deswegen heißt es im Koran:

      [9:77] Er ließ ihnen daraufhin Heuchelei (nifaaq) ins Herz kommen (damit sie darin sei) bis zu dem Tag, da sie ihm (beim Gericht) begegnen würden. (Das geschah ihnen) dafür, daß sie Allah das Versprechen brachen, das sie ihm gegeben hatten, und dafür, daß sie logen.

       

      So schlimm kann das Lügen sein. Diese Heuchler habe dauerhaft schlechte Taten gemacht, bis dass die Heuchelei fest in ihren Herzen verankert wurde.

       

      Aus allem, was bereits vorgestellt wurde sehen wir, dass die gute Taten zur Befestigung und anschließend zum Erweitern des Wissens und zur Erhöhung des Grades und des Umfangs der wahren Überzeugungen führen und somit führen sie zur göttlichen Nähe und genau so führen die schlechten Taten zum erhöhen des Unwissens und des Grades und des Umfangs der falschen Überzeugungen und somit führen sie zur Entfernung von Allah (s.t).

       

      Eine neue Stufe der Überzeugung ist eine Ursache für eine neue Stufe der Taten, die ihrerseits eine Ursache für eine weitere Stufe der Überzeugung ist usw. usf. Hier gibt es natürlich keinen Zirkelschluss, weil die Stufe sich in jedem Durchlauf ändert, auch wenn die Überzeugung von Außen her, gleich ist.

       

      Hier könnte die Frage aufkommen, wie die schlechten Taten den Grad des Unwissens erhöhen, wo doch das Unwissen etwas nicht existierendes ist. Wie kann man etwas, was nicht existiert erweitern. Was die guten Taten betrifft, ist es klar, durch sie wird das Wissen und die wahre Überzeugung verbessert aber was ist mit den schlechten Taten? Da ist es notwendig anzumerken, dass mit dem Unwissen nicht das logische Unwissen, das natürlich nicht existiert, gemeint ist, sondern das Unwissen als Gegensatz zum Verstand. Denn der Verstand ist das Ziel der wahren Überzeugungen.

       

      Der Verstand ist laut den Überlieferungen, das womit der Barmherzige gedient wird und das Paradies erreicht wird bzw. gewonnen wird. Alles andere ist das Unwissen. Deswegen ist jedes Streben und jedes Wissen, das nicht zur Erweiterung des Verstandes führt, laut den Überlieferungen, Unwissen. So lesen wir im Koran.

       

      [29:43] Dies sind Gleichnisse, die Wir für die Menschheit aufstellen, doch es verstehen sie nur jene, die Wissen haben.

       

      Das Ziel ist, dass man die Gleichnisse versteht und nicht, dass man sich Wissen aneignet. Ja das Wissen ist eine Vorraussetzung aber nicht das Ziel und viele wissen aber verstehen nicht. Es gibt kaum Unterschied zwischen einem Wissenden, der nicht versteht und einem Unwissenden, der nicht versteht ist. Beide sind Unwissend im bereits erwähnten sinne. Nur dass der erste ein wissender Unwissende ist und der zweite ein unwissdeer Unwissende.

       

      Deswegen müssen diejenigen, die sich wissen aneignen schauen, ob sie gemäß ihrem wissen handeln, so dass sie auch das Gewusste zum Herzen gelangen lassen, denn nur dort kann man verstehen. Wenn das der Fall ist, dann Tuba und ein trefflicher Einkehr ist ihnen gewiss. Doch wenn nicht sollen sie weinen und sich auf dem Kopf schlagen, weil am Tage der Auferstehung ist ihr Wissen ein grosser Beweis gegen sie.

       

      Deswegen heißt es:

      Dem Unwissenden werden siebzig Sünden vergeben eher dem Wissenden eine Sünde vergeben wird. (Natürlich wenn man unwissend aus Unfähigkeit ist und nicht aus Nachlässigkeit)

       

      Das Wissen ist dennoch eine notwendige Vorraussetzung für jeden gemäß seinem Aufnahmevermögen denn es heißt:

      Sind denn die, die wissen mit den Unwissenden gleichzusetzen?

       

      Zusammenfassung:

      Wir müssen uns den Glauben aneignen an den der Prophet (s.a.a.s) geglaubt hat. Wir müssen die richtigen Überzeugungen verstehen und zu ihnen gelangen. Und hier reicht es nicht zu sagen, was interessiert mich, ob Allah ein Körper hat oder nicht. Hauptsache er hat alles erschaffen. Was interessiert mich, ob Allah begrenzt ist oder nicht. Was ist interessiert mich, ob Allah gesehen werden kann oder nicht. Es ist falsch zu sagen, was ist der praktische Nutzen solcher Fragen, weil die Antworte auf solche Fragen die Erkenntnis, die der Grund unserer Existenz ist, bereichern und weil sie die Nähe zu Allah verstärken, wie wir aus dem bereits dargestellten, nun ganz leicht folgern können. Genauso ist es mit allen Überzeugungen und vor allem mit einer den wichtigsten Überzeugungen im Islam, nämlich das Imamat.

       

      Zum Schluss fassen wir wieder zusammen und sagen, dass die Überzeugungen das Grundfundament des Islams sind und sie sind das, was den Taten am Tage der Auferstehung ihren Wert geben. Es ist sehr wichtig zu wissen, was das Imamat alles bedeutet und dass sie wirklich eine bindende Botschaft vom Allmächtigen ist, die uns zum wahren Tauhid führt. Und dies wird inscha'Allah unser Ziel in dieser langen Serie sein.

       

      Wassalam

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