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Muhsina

Religion, Spiritualität, Ethik - Was sie fordern und ihre Gemeinsamkeit

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Der folgende Text ist eine sinngemäße Zusammenfassung eines Kurzvortrags des Islamwissenschaftlers und Publizisten Tariq Ramadan. Ramadan fragt danach, was die verschiedenen Religionen, spirituellen Lebenswege und die Ethik gemeinsam haben. Was ist die Essenz der jeweiligen Bereiche und was fordern sie von uns?

 

Die Kernbotschaft der Religionen

 

Religionen werden heutzutage vor allem mit Regelungen, Verboten und Strafen in Verbindung gebracht. Diese Assoziationen aber verfehlen die eigentliche und grundlegende Botschaft der Religionen. Die Regelungen sind ein Teil der Religionen, aber was die Religionen in erster Linie fordern, ihr elementares Anliegen, beschäftigt sich mit der Beziehung des Menschen zu sich selbst.

 

“Du kannst das Beste vollbringen und bist fähig zum Schlechtesten.” Dieser simple Fakt verdeutlicht, womit die Religionen gekommen sind, nicht mit Strafen und Verboten, aber mit der Botschaft “Kontrolliere dein Selbst”, und zwar durch Bildung und Wissen. Nicht kamen sie, um den Menschen einzuschränken als vielmehr zu befreien, eine Befreiung vom eigenen Ego.

 

Was ist die wahre Freiheit?

 

“Freiheit bedeutet, dass ich tun kann, was ich will.” Aber willst du denn wirklich das, was du meinst, zu wollen? Das ist die erste Frage, die man diesem vereinfachten Freiheitsbegriff gegenüberstellen muss.
Der Mensch ist ein fassettenreiches Lebewesen mit unterschiedlichen Seiten, unter anderem einer emotionalen. Wenn wir heute beispielsweise durch einen Supermarkt laufen, wird auf diese emotionale Komponente mittels Hintergrundmusik eingewirkt, um unser Konsumverhalten zu beeinflussen und uns zum Kauf zu animieren. Wir denken, wir würden kaufen wollen, was wir kaufen, aber in Wirklichkeit wurden wir durch äußerliche Einflüsse gelenkt.

 

Wahre Freiheit gründet nicht auf Emotionen, aber hat primär zu tun mit Bildung und Disziplin. Dabei wird gerade in unserem heutigen Zeitgeist die Disziplin als der Freiheit entgegengesetzt angesehen, aber gerade das Gegenteil ist der Fall.
Ein Pianist beispielsweise muss, um selbst komponieren zu können, vorher seine Technik und sein Spiel durch harte Disziplin erlernen und dadurch ist er erst in der Lage, selbstbestimmt komponieren zu können. Gleichermaßen kann wahre Freiheit erst durch Bildung bzw. Wissen und Selbstdisziplin erreicht werden. Und genau hier liegt auch die Verbindungsstelle zwischen den Religionen und den spirituellen Lebenswegen. Denn die Spiritualität fordert die Bildung und die Disziplin des Selbst, das Loslösen vom Ego ist der Ursprung aller Spiritualität und Religionen.

 

Wie gelangt der Mensch zur Freiheit?

 

“Keine Freiheit ohne Wissen.” Denn der erste Feind der Freiheit ist die Ignoranz.
Damit der Mensch sich aus diesem Zustand des Unwissens befreit, muss er sich selbst erkennen, seine Wahrheit erforschen und genau diese Botschaft zieht sich durch alle verschiedenen Religionen und spirituellen Lebenswege hindurch. Und dies sollte auch das Zentrum aller interreligiösen und spirituellen Dialoge bilden.

 

Der Mensch soll weg gedrängt werden vom passiven Beobachter seines eigenen Lebens hin zum aktiven und selbstbestimmten Subjekt des Geschehens. Die gemeinsame Botschaft heißt: Wende dich dir selbst zu und dann verändere die Welt.

 

Was ist Spiritualität?

 

Ist ein spiritueller Mensch jemand, der sich von anderen und dem Geschehen seiner Zeit isoliert, passiv ist und seine Tage mit Fasten und Andacht und seine Nächte mit Gebeten verbringt? Nein, vielmehr bedeutet Spiritualität “Gebe deinen Taten und deinem Leben Bedeutung”.

 

Spiritualität sollte nicht als eine emotionale Sache abgestempelt werden. Ihr ist eine tiefe ethische Dimension inne. In einem Bittgebet heißt es “vergebe uns, denn wir haben uns selbst Unrecht getan”. Was bedeutet das? Wir haben eine Zunge, aber wir benutzen sie für unlautere Worte, wir haben einen Verstand, aber wir machen keinen Gebrauch von diesem. Ethische Spiritualität fordert vom Menschen in erster Linie ethisch mit sich selbst umzugehen.

 

Verändere die Welt zum Besseren, aber beginne mit dir selbst

 

Es waren nicht Lippenbekenntnisse, die die Welt zum Guten verändert haben, sondern Taten. Ethik, Spiritualität und Religionen fordern einen Wandel von einer passiven hin zu einer aktiven Lebensweise.

  • Religion: Bilde dich, verändere dich selbst und dann verändere die Welt
  • Spiritualität: Gebe deinen Taten Bedeutung
  • Ethik: Frag nach den letzten Gründen

Auf der Welt herrschen Unrecht und Unmoral im Schleier der Gerechtigkeit und Moral. Die Art wie wir mit Menschenleben umgehen, wie wir Menschenleben zählen, decken sich nicht mit unseren befeierten Menschenrechten und unserer Humanität. Die Politik, die Medien, die Wirtschaft sind durchdrungen von Unmoral. Und was soll da der Mensch tun? Sich zurückziehen und beten? Nein, vielmehr fordern alle Religionen, die Spiritualität und die Ethik vom Menschen, aktiv zu werden, die Stimme der Stimmlosen zu sein, sich selbst zu erkennen, zu bessern und dann die Welt hin zum Besseren zu verändern. Darin liegt die gemeinsame Botschaft aller drei Bereiche.

 

Gerade in unserer globalen Welt und unseren pluralistischen Gesellschaften ist es zu unserer Verantwortung geworden, über uns zu wissen und über andere, um auf diese Weise Verständnis etablieren zu können. Und zuletzt sei gesagt “Denke allzeit positiv, weil es immer möglich ist”.

http://sapere-aude.eu/religion-spiritualitaet-ethik/

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