Guest Roben

Gottes Allmacht

5 posts in this topic

Guten Tag,

ich würde gerne wissen, ob Gott allmächtig ist (vermutlich ja) und allwissend (vermutlich auch ja).
Selbstverständlich geht es dabei um das Paradoxon
https://de.wikipedia.org/wiki/Allmacht

in das man kommen kann, wenn man dem Wikipedia Artikel folgt.

Weiterhin würde ich dann gerne wissen, welche Art der Allmacht das ist:

https://de.wikipedia.org/wiki/Allmacht#Verschiedene_Auffassungen_vom_Begriff_der_Allmacht

oder gibt es da noch weitere Vorstellungen?

und wie das mit Allmacht und Allwissenheit zusammenhängt

https://de.wikipedia.org/wiki/Allmacht#Allmacht_und_Allwissenheit

Bislang habe ich dazu keine befriedigenden Erklärungen gefunden. Auch Fragen an mir bekannte Muslime haben zur Erhellung nichts beigetragen. Dann allerdings bin ich auf dieses Forum gestoßen und habe die Diskussion über das Theodizee gelesen. Das war sehr interessant, auch wenn ich die Beiträge noch nicht komplett gelesen habe.

Vielen Dank, für Euer Interesse.

Ich selbst bin übrigens Agnostiker.

LG, Roben

Saluton likes this

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Salam alaikum

Sehr interessante Fragestellung. Vorab eine Frage an dich: Welcher Form des Agnostizismus folgst du? Vertrittst du die Ansichten von Kant, der die ontologischen Beweisführungen abendländischer Philosophen für die Existenz Gottes relativierte, oder einem anderen Denker?

 

Denn deine Frage kann für dich nicht zufriedenstellend beantwortet werden, ohne deine ontologischen Grundprinzipien zu kennen.

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#bismillah#

Salam und Hallo,

grundsätzlich muss man sich erstmal frei davon machen, dass das göttliche Wesen und Fähigkeiten gleich die unseren sind. Während wir davon überzeugt sind, dass Er die physikalischen Gesetze erschaffen hat, Er also Macht über sie hat, unterliegen wir diesen Gesetzen. Hier im Forum wurde das Paradoxon schon einmal diskutiert:

Und seine Allmacht und Allwissenheit widersprechen sich auch nicht, weil Er eben nicht der Zeit und der Bestimmung unterliegt. Das heißt, wenn Er Wissen über die Zukunft hat, dann ist das keine Bestimmung Seiner Allmacht. Ich weiß, es ist schwer, außerhalb der Regeln der Zeit und Naturgesetze zu denken, aber auch dass es ein Wesen gibt, das über diese Gesetze steht. Aber da diese unter Umständen relativ sind, müssen und dürfen wir auch gar nicht von ihrer Bestimmtheit ausgehen.

salam

ismael_nbg likes this

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vor 3 Stunden schrieb Jasmina:

#bismillah#

Salam und Hallo,

grundsätzlich muss man sich erstmal frei davon machen, dass das göttliche Wesen und Fähigkeiten gleich die unseren sind. Während wir davon überzeugt sind, dass Er die physikalischen Gesetze erschaffen hat, Er also Macht über sie hat, unterliegen wir diesen Gesetzen. Hier im Forum wurde das Paradoxon schon einmal diskutiert:

Und seine Allmacht und Allwissenheit widersprechen sich auch nicht, weil Er eben nicht der Zeit und der Bestimmung unterliegt. Das heißt, wenn Er Wissen über die Zukunft hat, dann ist das keine Bestimmung Seiner Allmacht. Ich weiß, es ist schwer, außerhalb der Regeln der Zeit und Naturgesetze zu denken, aber auch dass es ein Wesen gibt, das über diese Gesetze steht. Aber da diese unter Umständen relativ sind, müssen und dürfen wir auch gar nicht von ihrer Bestimmtheit ausgehen.

salam

Salam alaikum,  

Masallah. Sehr gut erklärt. 

Wasalam 

 

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Salam alaikum

 

leider kam keine Antwort auf meine explizite Fragestellung.

Um diese Frage aus einer philosophischen Perspektive zu beantworten, muss zuerst die Auffassung des Agnostizismus und mit ihr vergleichend eine Ansicht eines islamischen Philosophen zu der Problematik des Verhältnisses der Existenz zu der Quiddität behandelt werden um hieran anknüpfend das richtige Verständnis der Allmacht Gottes ausarbeiten zu können.

Als agnostischer Denker sieht man den Begriff „Gott“ im gleichen Verhältnis zur Existenz und zur Nicht-Existenz stehend. Weder die Aussage „ Gott existiert“ noch die Aussage „Gott existiert nicht“ fügen dem Begriff „Gott“ etwas hinzu oder schmälern diesen. Basierend auf dieser Aussage wird behauptet, dass man nicht wissen könne, ob Gott existiere.

Diese Ansicht gibt der Quiddität den Vorrang vor der Existenz und sieht die Existenz als kein reales Attribut des Existenten an.

(Die Quiddität (oder ein anderes Wort hierfür ist die Wesenheit) erlangt man, wenn man die Frage „Was ist es?“ stellt und eine Antwort in Form von einer logischen Definition auf diese Frage erhält, welche sich aus Gattung und spezifischer Differenz zusammensetzt. Beispiel: „Der Mensch ist ein denkendes Lebewesen.“ Lebewesen = Gattung + denkend = spezifische Differenz). 

Gemäß einem  Philosophen namens Sadr-ad-Din Ash-Shirazi, dessen Philosophie auf dem Vorrang der Existenz basiert und der die Quiddität als eine mentale Abstrahierung von der jeweiligen Stufe der Existenz ansieht, gilt ebenso die Aussage, dass die Quiddität im selben Verhältnis zur Existenz wie zur Nicht-Existenz steht, denn diese stellt nicht die Realität der Existenz dar.

Jedoch unterscheidet sich seine Auffassung von der der Agnostiker in jener Hinsicht, dass er nicht den Begriff „Gott“, sondern die Realität der absoluten Existenz, welche keine Mangelhaftigkeit, keine Begrenzung oder Vermischung mit der Nicht-Existenz aufweist, denn ansonsten wäre diese nicht absolut, sondern in der Stufe der Erschaffenen und somit eine abhängige Existenz, betrachtet. 

Auch kann diese absolute Existenz durch keine logische Definition im vollen Umfang erklärt werden, da es keine höhere Gattung für diese gibt als die Existenz selbst, unter der sie umfasst wäre, oder etwas anderes, welches offensichtlicher als sie wäre, sodass die Existenz anhand dessen bekannt gemacht werden könnte. Wäre dies möglich, so würde es zwangsläufig bedeuten, dass sie Begrenzungen unterworfen wäre.

Nichts anderes wird unter Gott verstanden als die absolute Existenz, welche keinen Ursprung, keine Ursache und keine zeitliche Beschränkung aufweist, während sie der Ursprung alles Existentem und die existentielle Ursache von allem, auch der Dimensionen wie Raum und Zeit, ist.

Durch die Abstufungen und der verschiedenen Grade der Existenz, ausgehend von der absoluten Existenz bis zur tiefsten Stufe, der materiellen, wird das Verhältnis der absoluten Existenz zu den erschaffenen Existenten klarer. Je höher ein Existentes eine existentielle Stufe innehat, desto kompletter und vollkommener und je niedriger die existentielle Stufe, desto bedürftiger und unvollkommener ist dieses Existente.

Die Allmacht Gottes bezieht sich in dieser Betrachtungsweise darauf, dass alles, was geschieht, in Abhängigkeit von der absoluten Existenz passiert und nichts unabhängig von dieser. 

Allmacht bedeutet nicht, dass alles erdenkliche von Gott getan werden kann, denn dies würde auch die illusorischen Möglichkeiten enthalten, was hier im Forum schon diskutiert worden ist (z.B. Erschaffung eines Steines, welchen Gott selbst nicht heben könnte oder die Erschaffung einer zweiten Gottheit, die Erschaffung eines Dreiecks mit vier Seiten usw.). Jedoch sind alle verstandesmäßigen Möglichkeiten in der Allmacht Gottes enthalten.

Am Ende möchte ich noch den Widerspruch aufzeigen, in welche sich die Agnostiker mit der oben aufgeführten Argumentation hineinmanövrieren. Wenn der Begriff „Gott“ nicht als Konzept, sondern als exoterischer Therm für die Realität der Existenz behandelt wird, ergibt sich unter anderem folgendes: „Die Existenz existiert nicht“.

Diese Aussage ist ein Widerspruch in sich.

 

Hoffentlich konnte hierdurch deine Fragestellung philosophisch beantwortet werden.

 

Liebe Grüße

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