Zum Inhalt springen

I. Die Suche nach Gott


Waldmann
 Teilen

Empfohlene Beiträge

#bismillah#

 

I. Die Suche nach Gott

____________________________________________________

A- Welche Rolle spielt die Religion im Leben des Menschen

 

B- Wie wichtig ist die Su­che nach Gott

 

C- Beantwortung eines Trug­schlus­ses

 

____________________________________________________

 

A. Welche Rolle spielt die Religion im Leben des Menschen

 

1. Das Streben nach Wahrheit

 

Jeder Mensch hat von Geburt an ver­schiedene instinktive[1] Bestrebungen, die ihn dazu veran­lassen sich Wissen anzueignen und die Umwelt zu erforschen bzw. sich mit den Dingen rings um sich selbst zu befassen. Zu diesen Bestrebungen zählt z.B. das Streben nach Wahrheit, das oft auch Neugierde genannt wird. Schon allein diese Bestrebung kann ausreichen den Menschen dazu zu bewegen, sich mit der Religion zu beschäftigen und eine Antwort auf folgende Fragen zu finden:

 

· Gibt es etwas übernatürliches, das außerhalb der sinnlichen Erfahrung steht?

 

· Gibt es das Jenseits?

 

· Welche Beziehung besteht zwischen dieser Welt und dem Jenseits?

 

· Existiert ein übernatürliches Wesen, das die Welt erschaffen hat?

 

· Ist der Mensch nur auf seinen materiellen Körper beschränkt?

 

· Gibt es ein Leben nach dem Tod?

 

· Welche Beziehung besteht zwischen dem diesseitigen und dem jenseitigen Leben?

 

· Wenn zwischen dem diesseitigen und dem jenseitigen Leben eine Verbindung besteht, wie wirkt sich dann das Leben im Diesseits auf das Leben im Jenseits aus?

 

· Wie kann man den richtigen Lebensweg finden, der sowohl diesseitiges als auch jenseitiges Glück gewährleistet?

 

· Welche Gewähr gibt es für die Richtigkeit dieses Weges?

 

Das Streben nach Wahrheit (die Neugierde) ist also der erste Faktor, der uns dazu anhält, uns mit den verschiedensten Fragen, unter anderem auch mit der Religion und der Frage nach der wahren Religion, zu befassen.

 

2. Das religiöse Empfinden im Menschen

 

Einige Psychologen und Psychoanalytiker sind der Ansicht, dass der Mensch einen Instinkt bzw. eine Bestrebung besitzt, die ihn von Natur aus dazu veranlasst, Gott zu verehren. Sie nennen diesen Instinkt bzw. diese Bestrebung religiöses Empfinden. Dieses religiöse Empfinden wird neben dem Streben nach Wahrheit, dem Streben nach dem Guten und dem Streben nach dem Schönen als vierte Komponente der menschlichen Seele gerechnet.

 

Die genannten Wissenschaftler machen, um ihre Ansicht zu beweisen, von verschiedenen geschichtswissenschaftlichen und archäologischen Erkenntnissen Gebrauch. Sie weisen darauf hin, dass in den vergangenen Kulturen fortwährend eine gewisse Gottesverehrung vorherrschte. Diese Erscheinung werten sie als Beweis dafür, dass dieses Empfinden bzw. diese Bestrebung von Natur aus im Wesen des Menschen veranlagt ist.

 

Dass dieses religiöse Empfinden als instinktive Empfindung bzw. als Wesensveranlagung bezeichnet wird, muss das nicht bedeuten, dass es zu allen Zeiten und in allen Individuen lebendig und wach ist. Es muss darüber hinaus auch nicht bedeuten, dass es den Menschen in vollem Bewusstsein zu Gott führt. Denn es ist durchaus möglich, dass diese Bestrebung durch Faktoren wie Einflüsse der Umgebung oder falsche Erziehung geschwächt bzw. passiv wird oder von seiner eigentlichen Linie abweicht. Das gleiche ist auch bei den anderen instinktiven Bestrebungen zu beobachten.

 

Wenn diese Theorie stimmt, ist es also ganz natürlich, dass sich der Mensch mit der Religion befasst. Durch Hinweise aus dem heiligen Koran und verschiedenen Überlieferungen kann die Richtigkeit dieser Theorie natürlich bekräftigt werden.

 

Da diese Bestrebung aber nicht im Bereich des menschlichen Bewusstseins liegt kann sie aber durch verschiedene Argumente in Frage gestellt oder sogar verleugnet werden. Somit hat diese Bestrebung zwar ihren Platz dabei, den Menschen in Richtung Gott zu führen, sie ist aber nicht das Hauptthema, mit dem wir uns hier beschäftigen.

 

3. Die Wahrung der eigenen Interessen

 

Der Mensch strebt im Leben verschiedene Ziele an und möchte sie erreichen. Dabei ist er aber auf ein bestimmtes Wissen angewiesen. Möchte der Mensche z.B. von den materiellen Gütern Gebrauch machen, dann ist er auf die Naturwissenschaften angewiesen. Der Fortschritt in diesen Wissenschaften ist ihm dabei eine große Hilfe, denn dadurch ist er in der Lage, sowohl von den weltlichen Gütern Gebrauch zu machen als auch drohende Gefahren abzuwenden und sich vor Schaden zu schützen.

 

Die Wissensgebiete in den verschiedenen Wissenschaften sind aber sehr umfangreich. Aus diesem Grund beschränken sich die meisten Menschen bei der Erlernung der verschiedenen Wissenschaften auf die wichtigsten Fragen. Dabei wird oft die Wichtigkeit der Religion in Frage gestellt. Einige Personen behaupten sogar, dass die Beantwortung der Frage der Religion unlösbar ist bzw. keine greifbaren, wissenschaftlichen Ergebnisse mit sich bringt.

 

Wenn sich nun herausstellen sollte, dass auch die Religion imstande dazu ist, dem Menschen bei der Verwirklichung seiner Ziele, der Wahrung seiner Interessen, dem Abwenden drohender Gefahren und dem Schutz vor Schaden zu helfen, dann ist die Religion auch aus dieser Sicht etwas Anstrebenswertes bzw. Interessantes.

 

Darüber hinaus muss auch darüber gesprochen werden, ob die Frage der Religion zu beantworten ist oder nicht.

 

Aus diesem Grund ist es angebracht die Wichtigkeit der Religion im Leben des Menschen zu klären und darzulegen, dass die Religion zumindest eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Frage im Leben des Menschen ist.

 

B. Wie wichtig ist die Suche nach Gott

 

Wie oben angeführt, besitzt der Mensch bestimmte instinktive Veranlagungen, die ihn dazu bewegen nach Wissen zu streben. Diese Veranlagungen sind das Streben nach Wahrheit, das Streben die eigenen Interessen zu wahren, Nutzen zu ziehen, geschützt zu sein und keinen Schaden zu erleiden.

 

Nun gab es im Laufe der Geschichte des Menschen großartige Persönlichkeiten, die behaupteten, dass sie vom Schöpfer der Welt gesandt seien, um die Menschheit zu ihrem diesseitigen und jenseitigen Glück zu führen. Diese Persönlichkeiten haben, im Wege dazu, diese Botschaft an die Menschheit weiter zu geben, keine Mühen gescheut. Sie nahmen viel Leid und Schwierigkeiten auf sich und opferten sogar ihr Leben. Sie haben darüber hinaus der Menschheit unendliches Glück versprochen und sie vor einer unendlich großen Strafe gewarnt.

 

Wenn wir dieser Tatsache die oben genannten Veranlagungen des Menschen gegenüberstellen, ist es nur natürlich, dass jeder Mensch versucht der Wahrheit nachzugehen um seine Interessen zu wahren und auf der einen Seite jenes unendliche Glück zu finden und sich andererseits vor dem drohenden unendlichen Schaden zu schützen. Menschen, die nach Wahrheit streben, werden sich also mit den genannten Persönlichkeiten auseinandersetzen, um herauszufinden, ob deren Behauptungen stimmen oder nicht.

 

Es gibt sicherlich auch Gründe, die es dem Menschen schwer machen, dieser Frage nachzugehen. Zu diesen Gründen zählen Bequemlichkeit und Angst vor etwaigen Einschränkungen, die dem Menschen durch die Religion entstehen.

 

Personen, die sich von diesen Gründen abhalten lassen, sich mit der Religion zu auseinanderzusetzen, gehen natürlich das Risiko ein, die Chance unendlichen Reichtum und Glück zu erlangen ungenutzt zu lassen und unendliches Unglück zu erleiden.

 

Welche Entschuldigung oder Aus­rede können solche Personen dafür vorbringen, dass sie zu leichtsinnig, unachtsam und bequem waren, sich mit der Religion zu befassen?!

 

Der heilige Koran sagt über solche Personen: „Sie sind wie das Vieh, nein sie gehen noch eher in die Irre. Sie sind wahrlich unbedacht."[2] Denn solche Menschen sind um vieles schlechter dran als ein krankes Kind, das die Medizin aus Angst vor dem bitteren Ge­schmack verweigert oder sich weigert zum Arzt zu ge­hen und dafür lie­ber den Tod in Kauf nimmt. Denn ein Kind ist geistig nicht reif zu ent­scheiden, was ihm nützt oder schadet. Außerdem erleidet man durch die Verweigerung der Medizin nur einen geringen Verlust in der Nutznießung für das diesseitige Leben, man kann es für einige Tage weniger in Anspruch nehmen. Erwachsene Menschen aber sind reif und können sehr gut abschätzen, was gut und was schlecht für sie ist. Sie können sehr wohl erkennen, dass dem kurz andauernden bitteren Geschmack der Medizin, viele Jahre an Gesundheit folgen. Sie können auch über die kurzen Gelüste in dieser Welt und eine ewig anhaltende Strafe nachdenken und sich mit der Religion befassen.

 

An einer anderen Stelle bezeichnet der heilige Koran solche Menschen als die schlimmsten Tiere: „Als die schlimmsten Tiere gelten bei Allah, die tauben, die stummen, diejenigen (Menschen) die ihren Verstand nicht gebrauchen."[3]

 

Aus diesen Themen kann man also erkennen, dass es ohne weiteres vernünftig ist, sich mit der Religion auseinanderzusetzen. Es entspricht darüber hinaus auch den Interessen des Menschen, sich um die Frage der Religion zu kümmern und zu versuchen, bezüglich der Religion zu einem Ergebnis zu kommen.

 

C. Entkräftung eines Trugschlusses

 

Einige Menschen meinen, dass es nur dann einen Sinn hat, der Lösung von Fragen nachzugehen, wenn die Hoffnung darauf besteht, dass diese Fragen auch gelöst werden. Sie meinen, dass es keinen Sinn hat, sich mit Religion zu beschäftigen, denn in diesen Fragen besteht keine Hoffnung darauf, zu einem gesicherten Ergebnis zu gelangen.

 

Diesen Leuten muss entgegnet werden:

 

1. Die Wahrscheinlichkeit, die grundsätzlichen Fragen der Reli­gion zu lösen, ist auf keinen Fall geringer als die Wahrscheinlichkeit, Fragen in ande­ren Wissensgebieten zu lösen.‌‌‌ Wir alle wissen, dass viele unlösbar scheinende wis­senschaftliche Fragen nur durch den unermüdlichen Ein­satz vieler Wissenschaftler und oftmals erst im Laufe von Jahrzehnten gelöst wurden. Diese Wissenschaftler haben sich durch die geringe Wahrscheinlichkeit der Lösbarkeit dieser Fragen, nicht davon abhalten lassen, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen. Der Grund dafür liegt sicherlich nicht in der Wahrscheinlichkeit, diese Fragen zu beantworten, sondern er ist in etwas anderem zu suchen, nämlich in der Wichtigkeit dieser Fragen.

 

2. Der Wert, den wir den verschiedenen Fragen, die wir möglicherweise lösen können, zuschreiben, ergibt sich also nicht nur aus Wahrscheinlich­keit der Lösbarkeit, sondern auch der zu erwartende Gewinn, der bei der Lösung einer Frage in Aussicht steht, ist ein Faktor, der zu bedenken ist. Nehmen wir an, dass bei einem Geschäftsabschluss die Wahr­schein­lichkeit auf Gewinn 10%, der in Aussicht stehende Gewinn aber nur €100 ist. Bei einem anderen Geschäftsabschluss ist die Wahr­schein­lichkeit auf Gewinn zwar nur 5% als Gewinn stehen aber €1000 in Aussicht. Vergleichen wir beide Wahrscheinlichkeitsrechnungen, dann sehen wir, dass der zweite Geschäftsabschluss 5mal mehr überwiegt als der erste und das obwohl die Wahrscheinlichkeit auf Gewinn nur halb so groß ist.

 

Wenden wir das nun auf die Religion an, dann sehen wir, dass bei der Religion die Komponente des wahrscheinlichen Ge­winns unendlich groß (ewiges Glück) ist. Aus diesem Grund ist auch der Wert dieser Frage (sich um die Re­ligion zu kümmern) größer als der Wert jeder anderen Frage, egal wie groß die Wahr­scheinlich­keit sein mag, ein sicheres Er­gebnis zu erlangen.[4] Die Suche nach der Religion zu unterlassen, ist nur dann ver­nunftgemäß zu rechtfertigen, wenn der Mensch mit Sicherheit weiß, dass die Religion falsch ist, bzw. dass es un­möglich ist, die Fragen, mit denen sich die Religion befasst, zu lösen. Doch ohne sich mit Religion zu befassen, kann man sicherlich nicht zu diesem Ergebnis gelangen.

 

Sich allgemein mit der Religion zu befassen, ist also von außerordentlicher Bedeutung für den Menschen. Darüber hinaus ist es auch wichtig, herauszufinden, ob es unter den verschiedenen Religionen eine Religion gibt, die wahrhaftig bzw. richtig ist und wenn ja, welche der verschiedenen Religionen es ist.

 

 

____________________________________

[1] Fitrische (im Fitrah verankerte) Bestrebungen, das heißt seinem Wesen eigene Bestrebungen.

 

[2] Al-A'raf, 179

 

[3]„Als die schlimmsten Tiere gelten bei Gott die tauben und stummen, die keinen Verstand haben." Surah 8, Vers 22.

 

[4] A) Frage von €100 Gewinn: Gewinn = €100, Wahrscheinlichkeit = 10%, Wichtigkeitsgrad = X [ [(100x10): 100 = 10]. Der Wichtigkeitsgrad dieser Frage ist 10.

 

B) Frage von €1000 Gewinn: Gewinn = €1000, Wahrscheinlichkeit = 5%, Wichtigkeitsgrad = X [ [(1000x5): 100 = 50]. Der Wichtigkeitsgrad dieser Frage ist 50.

 

C) Frage der Religion: Gewinn = unendliches Glück, Wahrscheinlichkeit = 5%, Wichtigkeitsgrad = X [ [(¥ x5): 100 = ¥]. Der Wichtigkeitsgrad dieser Frage ist also unendlich groß, weil eine der Komponenten eine unendliche Größe hat.

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

 Teilen

  • Wer ist Online   0 Benutzer

    Keine registrierten Benutzer online.

×
×
  • Neu erstellen...